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Armin Baumgarten & Werner Reuber: Kein Titel

Armin Baumgarten setzt sich seit 1994 intensiv mit dem Thema Kopf auseinander, woraus im Laufe der Zeit die Halbfigur entstand bis hin zur Ganzfigur. Die Figuren – in der Malerei wie bei der Plastik sind keine realistischen Abbildungen von Menschen, sondern Kunstfiguren, die ihre eigene Wirklichkeit auf der Bildfläche entfalten bzw. im Raum. Das Motiv des Kopfes oder der Figur ist nicht nur in das Gewebe der Gesamtkomposition eingebunden, sondern es entsteht und wirkt aus dem Farbmaterial heraus, im Prozess des Malens. Dieser Prozess ist nicht spontan, er hat vielmehr etwas Tastendes, Suchendes.

Die ursprünglich sehr dünne, lasierende Malerei, wird durch Farbauftrag dabei immer pastoser, die Struktur der Farbe fast reliefartig. A. Baumgarten: „Ich beginne ein Bild in einer bestimmten Farbigkeit und lasse dann langsam die Figur aus dem Farbmaterial entstehen. Dabei verändern sich die Größe, das Kolorit und selbst die Positionierung auf der Fläche. Alles bedingt sich gegenseitig, bis die Figur sich verselbstständigt. Wenn sie autark genug ist und das Bild «atmet», höre ich mit dem Malen auf.“

Es sind anthropomorphe Gestalten, die beim Wechsel des Standorts sich dem Betrachter in verschiedener Helligkeit und Farbwahrnehmung zeigen. Darüber hinaus ist es die statuarische Strenge seiner Bildwerke, die ihr Vorbild in der Malerei der italienischen Frührenaissance haben. Aber auch die Skulptur Antike sowie die Kirchenfigur der Romanik haben den Künstler in Ihren Bann gezogen und inspiriert. Es ist die strenge Formulierung des Äußeren, die Frontalität dieser Figuren mit einer in sich geschlossenen Spannkraft.

Die Auseinandersetzung und Arbeit mit der Plastik ergab sich aus der Malerei. Es ist der Gips, da dieses Material ein Geben und Nehmen möglich macht. Erst später kam dann der Bronzeguss hinzu. Sowohl beim Gips wie auch beim Bronzeguss erscheint ihm das Prinzip wichtig, dass etwas Flüssiges zum Erstarren kommt, denn so entstehen auch die Bilder.

Werner Reubers zeigt er in seinen Holzschnitten eine Verknüpfung von Skulptur und Malerei mit hoher Expressivität. Die dabei verwendete Technik des Hochdrucks erlaubt ihm eine gröbere Linien- und Flächenstruktur, die er bildwirksam einsetzt. Er arbeitet nicht, wie im klassischen Holzschnitt, mit mehreren Platten um das Druckbild entstehen zu lassen. Im Nachgang des Drucks wird jedes Blatt mit farbigen Eingriffen akzentuiert und verändert. Die Farbe ist dabei ein eigenständiges Element, die jedes Blatt zu einem unverwechselbaren Unikat macht.

Die verwendeten Holzplatten zeigen oftmals Gebrauchsspuren einer Nutzung vor der künstlerischen Bearbeitung, geschichtliche Spuren, die die Zeit ihnen verliehen hat. Mit dieser vorhandenen Oberfläche arbeitet er weiter und setzt sie aussagekräftig mit ein.

Hauptthema seiner Arbeiten ist immer wieder der Mensch und die Bedingungen seiner Existenz, losgelöst von Alltagssituationen, hineingeworfen in eine mythische, bisweilen märchenhafte oder archaische Welt. Die Menschen werden kantig dargestellt, ein Stil, den der Künstler als „Schlabberstil“ bezeichnet, der die Ironie oder auch die Komik der Situation betonen soll.

Seine Figuren stehen aber auch in Anbindung an die Natur und in Auseinandersetzung zum anderen Geschlecht, zum Partner bezogen. Melancholie und Tragik werden jedoch immer wieder von jenem Aspekt der Ironie und des Witzes gemildert und gebrochen. Im Lauf der Zeit hat sich dabei eine persönliche reuberische Bildsprache entwickelt durch eine Vielzahl von Symbolen und Elementen. Werner Reuber zitiert dabei aus der mitteleuropäischen Kulturgeschichte – von der Antike bis zur Gegenwart – und natürlich aus seinem privaten Fundus an Erfahrungen.

Mensch und Natur werden in konstruierten Momentaufnahmen dargestellt, die meistens in einem für uns irritierenden Beziehungsgefüge stehen, wie in den „Gärten der Lüste“. Seine Bilder zeigen Momente des Theatralischen, des Spiels, eine Bühne auf der der Mensch agiert. Es ist unter anderem ein ernstes Spiel, ein Spiel der Geschlechter auf eine besondere Art und Weise dargestellt.