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Daniela Baumann & Werner Barfus: Kein Titel

Daniela Baumann studierte in den achtziger Jahren an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Würzburg Kommunikations-Design mit dem anfänglichen Schwerpunkt Fotografie und beendete ihr Studium mit Malerei und Zeichnung. Nach einem Gaststudium der Psychologie an der Gesamthochschule Hagen, setzte sie sich intensiv mit der menschlichen Psyche auseinander.

Die Liebe, die Vergänglichkeit, Erinnerungen, Rituale des Häuslichen tauchen thematisch in ihren Werken auf. Sie arbeitet mit imaginären Dialogen, die sie in ihrer eigenen bildnerischen Sprache führt. Dabei wird die Wahl des Materials auf der Basis des Themas bestimmt.

Seit einigen Jahren bearbeitet sie thematisch „Das Liebespfand“ als kulturelles Phänomen. Seit dem 11. Jahrhundert spielten Tücher als heimliches Liebespfand eine Rolle beim Minnedienst. Als Treuepfand nahmen es Ritter mit in den Kampf und gaben es der Geliebten, meist getränkt mit Schweiß und Blut zurück.

Das Tuch inspirierte sie zu Installation, Zeichnungen und Druckgrafiken. In galerie#23 zeigt Daniela Baumann Druckgrafiken aus der Reihe der „Fazzoletti“, die grafische Bearbeitung des Tuches in Verbindung mit dem Kreis, der ein Symbol für die Verbundenheit der Liebenden ist.

Ein zeitgenössisches Liebespfand ist die Tätowierung geworden oder auch ein Piercing für den Geliebten oder die Geliebte. Daniela Baumann hat zu diesem Phänomen vor einigen Jahren Kunststoffhaut hergestellt und mit Nähmaschinennadeln gezeichnet. Mit Haut und Haar bin ich dein….Haarzeichnungen, Ready-mades mit Haar, Kunststoffobjekte entstehen. In diese künstlerische Werkreihe gehört auch der Cage d´amour, der Minnekasten. Daniela Baumann verarbeitet Haare, näht sie in Pergaminbeutel ein.  Eine intime Werkreihe, intim wie der Minnekasten, der zu Zeiten des Mittelalters auch schon mal die Schamhaare der Geliebten bewahrte.

Daniela Baumann stößt bei ihrer konzentrierten Arbeit zum Thema Liebe auch auf Liebeskräuter und deren Bedeutung. Pflanzen wie Thymian, Majoran, Salbei und Petersilie, von ihr schwarz, vehement, großformatig mit energischem Strich auf  unzähligen Blättern gezeichnet.

Kontakthof, ein Stück von Pina Bausch, in dem es um die Suche nach Liebe und Zärtlichkeit  und damit verbunden die Enttäuschung und Aggression geht, inspirierten die Künstlerin zu diversen Werken,  der Verarbeitung des eigenen Ballkleides als Reiz Signal zur Liebesbereitschaft. Die Schwärzung und Intensität der bildnerischen, informellen Bearbeitung ihrer Werke verstärken dabei die Verletzlichkeit, die der Liebe innewohnt.

Nicht nur fremde Literatur, auch eigene Texte erläutern ihr bildnerisches Werk. Fremdkörper- dein Pullover kratzt …eine Annäherung an einen Reiz.  Lyrische und bildnerische Stofffetzen über die Liebe und Verstricktes . Es sind Texte, die Bilder entstehen lassen, teilweise zweideutig. Sie benutzt das Vokabular der Strickkunst, die auch Sprache der Liebeskunst ist. In einigen Wortbildern, die sie beschreibt, weiß man nicht, ob es sich um ein Liebesspiel oder ein Nadelspiel handelt. Ein intimes Drama oder die Beschreibung eines Strickvorgangs. „ Fremdkörper“ stempelt sie ihre Druckgrafiken. Der auseinandergesprengte Kreis dient in diesen Grafiken als Bildsymbol für den Fremdkörper, Flusen als Relikte aus getragenen Zeiten. Ein intimes Drama und eine Annäherung an einen Reiz.

Werner Barfus schafft in seinen Bilderwerken die „Idee“ des Berges, eines Berges, den es so nicht gibt, sowie zahlreiche Landschaften, die es geben könnte. Was aussieht wie Ausschnitte aus unberührter Natur in lebensfeindlichen Zonen, in denen Schnee und Eis oder Hitze und Sand das Leben der Menschen bestimmen oder auch unmöglich machen, ist bei näherer Betrachtung eine Komposition in Schwarz-Weiß: sichtbare Pinselstriche, wolkig getupft oder schlierig gezogen.

Werner Barfus erzeugt mit wenigen Mitteln eine Welt zwischen Sein und Schein. Diese Gratwanderung zwischen Abstraktem und Realem erzeugt Spannung bei der Betrachtung der Bilder, gefolgt von einer inneren Ruhe. Wir können den Ort in unserem Gedächtnis finden und bestimmen.

„Klar, es geht um Landschaft: Gewaltige atmosphärische Bergwelt, eingefangen im kleinen Format. Stein, Gletscher, geomorphologische Strukturen von außerordentlicher Vielfalt, Schnee, Kälte, Kristall, Härte, Weite des Raums, Hell und Dunkel des Reliefs, Licht und Schatten, Höhe und Tiefe, Kuppen und Höhlen, Spalten, Schächte, Abgründe, Wolken. Kein Horizont, wohl aber Spuren von Vegetation, Nähe, Ferne, Ausschnitt, alles immer nur Teil eines umfassenderen Ganzen, maßstablos, mikro-makrokosmisch…

Diese Bilder – oft Serien, Viererblöcke – scheinen vertraut. Doch es gibt sie nur als das, was sie sind, nirgendwo sonst. Sie geben nichts wieder, stellen nichts dar, bilden nichts ab. Sie haben nichts mit Fotografie zu tun und wenig mit Malerei. Wohl aber eine Menge mit dem, was wir schon gesehen haben, was wir erinnern, was in unserer Vorstellung lebt, auch in der des Künstlers.“

Katalogauszug ,Hans Gercke, Heidelberg

 

 

 

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