Eberhard Bitter, Michael Falkenstein & Hyacinta Hovestadt: Kein Titel

Auszug der Einführung:

Hyacinta Hovestadt arbeitete nach ihrem Studium (1972 – 1978) an der Kunstakademie Düsseldorf und dem Studium der Kunstwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster von 1985 – 1991 als Museumspädagogin an der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf (K20) tätig.

Wo auch immer Ihre Kunstwerke ausstellt sind, reagieren die Betrachter mit Erstaunen und Verblüffung. Von weitem wird die Außenansicht oft als Holz wahrgenommen. Erst bei näherer Betrachtung erschließt sich die Materialität, das Muster von Wellpappe verschiedenster Art, auf der einen Seite ein kurzlebiges scheinbar fragiles Verpackungsmaterial, aber doch sehr stabil.

Hyacinta Hovestadt arbeitet und experimentiert auch mit anderen Gebrauchsmaterialen wie Ziegeln, ausrangierten Zimmertüren und anderem mehr, aus denen sie ihre Plastiken schafft. Es geht ihr dabei um die Faszination der inneren Strukturen der Materialien, die normalerweise nicht sichtbar sind.

Es dauert manchmal Monate, bis so ein Exponat fertig ist. Mit dem Cutter-Messer schneidet sie die Wellpappe in kleine Streifen und klebt diese schichtweise mit Holzleim aufeinander. Schon am Anfang gibt es eine ungefähre Vorstellung, wie das Kunstwerk am Ende auszusehen hat, aber während des Schaffungsprozesses entwickeln die Objekte ihr eigenes Leben. Selten entspricht der anfängliche Entwurf dem späteren Aussehen, denn im spannungsreichen Entstehungsprozess zeigen sich überraschende Möglichkeiten. Je nachdem, wie man das Messer hält, ob eher senkrecht oder parallel, ergeben sich verschiedene Muster. Zusätzlich spielt die unterschiedliche Färbung der einzelnen Pappen eine wichtige Rolle, die schließlich in ihrer Schichtung einen holzähnlichen Effekt erzeugen können.

Häufig entstehen organisch wirkende, höhlenartige Formen, oft haben sie etwas Archaisches. Manche erinnern an Gebrauchskeramiken, wie Amphoren und Krüge, die eine lange Zeit des Gebrauchs hinter sich haben, abgestellt und vergessen wurden. Die Skulpturen erscheinen fragil, da sie durch die Materialität, die Kapillare der Wellpappe, licht- und damit auch sichtdurchlässig sind. Je nach Lichteinfall und Positionierung entstehen neue Formen und besondere Schattenspiele.

Wellpappe ist durch ihre Materialität vergänglich und fühlt sich warm an im Gegensatz zu Bronzearbeiten, die kalt, schwer und für die Ewigkeit geschaffen worden zu sein scheinen. Hyacinta Hovestadts Kunstwerke dagegen werden nicht ewig präsent und existent sein, wie sie sagt. „Wir leben eine Zeit lang und dann müssen wir gehen und es kommen andere, und die haben eine andere Sicht auf die Welt“.

Es wird zwar hin und wieder Wellpappe für ihre Skulpturen neu bestellt, aber erst einmal wird schon mal genutztes Material bearbeitet. Alltagsmaterialien interessieren sie. „Der Kick ist, aus etwas industriell Verarbeitetem wieder das Naturhafte herauszuarbeiten“.

Bei Eberhard Bitter, in Herne geboren, steht der Mensch im Mittelpunkt mit all seinen Freuden und Konflikten, der Mensch in Bewegung. Nach seiner Buchbinderausbildung bei Firma Girardet in Essen, studierte er Malerei bei Prof. P. Moog und Prof. H. Böhm an der FH Dortmund und arbeitet heute als Dozent an der Ruhr-Universität-Bochum.

Seine Malerei ist figurativ und erinnert in ihrer Komposition an Tanzszenen, aber auch an Figuren des Manierismus, eines Stils im Übergang zwischen Renaissance und Barock.

Eberhard Bitter platziert seine Menschen formatfüllend in einen „leeren“ Raum, losgelöst von jeglicher ortbestimmender Umgebung, ohne hinweisende Sachgegenstände, und auch auf die Kleidung wird verzichtet. Seine Anregungen und Motive sucht er in Zeitungen, geht durch die Straßen oder ins Theater und Ballet. Er lädt auch Tänzer und Tänzerinnen ein, die er beim Tanzen skizziert oder auch mal fotografiert. Ausschlaggebend ist dabei die Körpersprache, die Gestik, die jeder Mensch bewusst oder unbewusst nutzt.

Wie er sagt, komponiert oder experimentiert er im Vorfeld lange an einem Motiv. Besonders bei den Bildern, in denen mehrere Personen miteinander agieren, übereinander verschlungen. „ Da brauche ich zum Teil viel Zeit um die Körper so miteinander zu kombinieren“, so Eberhard Bitter, „auch wenn ich von Fotovorlagen ausgegangen bin. Manchmal sieht dann eine Figur bei einem von mir gemachten Foto falsch aus, sie steht dann nicht richtig. Dann muss ich das immer ein wenig zeichnerisch verändern, bis die Komposition grob steht. Und dann geht die Sache los und ich fange mit der Leinwand und der Farbe an.“

Alle farbigen Werke wurden in Öl gemalt. Der grobe, pastose Farbauftrag wirkt ursprünglich, fast aggressiv, und doch wirken die Figuren empfindsam und angreifbar. Bei seinen Zeichnungen ist es Tusche, in Kombination mit Acrylfarbe, womit er eine Leichtigkeit ausdrückt, in der sich die Personen bewegen.

Ein neues Thema sind die Geschichten mit den Hahnenkämpfen, die aber auch in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Menschen stehen. „Ich habe mal“, so Eberhard Bitter, „eine Zeit lang Diptychen gemalt, also Bildzweiteiler, als Gegenüberstellung. Ich dachte mir, jetzt will ich auch das Thema Kampf offensichtlicher mit einarbeiten. Viele Künstler greifen dann zum Beispiel auf den Boxkampf zurück oder Kriegsszenen, … Aber dazu hatte ich keine Lust, das wäre mir zu platt gewesen. Und so kam ich auf diese Tiersymbolik.“

Wieder anders arbeitet Michael Falkenstein, 1971 in Neuss geboren. Er hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Sein neues Thema, aber wiederum auch nicht so neu, sind seine – ich nenne sie mal Maschinen. Sein Studium schloss er 2002 als Meisterchüler Konrad Klaphecks ab. Auch er hat wie Hyacinta Hovestadt schon mehrmals hier in der Galerie ausgestellt. Er wohnt in Düsseldorf und hat sein Atelier seit einiger Zeit in Neuss, wo er auch als Dozent für Holzschnitt am Kulturforum „Alte Post“ arbeitet.

Er nutzt die grafische Technik des Holzschnitts, die Hochdrucktechnik. … Oben steht ein Druckstock zur Ansicht, auf beiden Seiten als Druckvorlage bearbeitet und genutzt, aber er kann auch käuflich erworben werden. Er ist ein besonderes Kunstwerk.

Seine Holzschnitte sind im klassischen Schwarz/Weiß.  Michael Falkenstein hat sich im Laufe der Jahre verschiedenen Themen zugewandt, Themen, deren Motive sich für die Umsetzung im Holzschnitt besonders eignen. „Holzschnittig“ nennt er solche Motive. So hat er sich etwa von interessanten Strukturen in der Natur inspirieren lassen, von dichter Vegetation. Eine Werkgruppe hat das Thema „Wasserfall“, die auch schon hier in einer Ausstellung auch als Riesenformat zu sehen war. Dieses Mal sind nur kleine Varianten zu sehen.

In der letzten Zeit hat er sich von der Musik, vornehmlich elektronische, experimentelle Musik inspirieren lassen und in der Ausprägung des Holzschnitt künstlerisch umgesetzt. Es sind nicht nur Musiker, die er erst einmal in Aktion fotografiert, sondern die Synthesizer, die aus mehreren Modulen bestehen, und das Kabelgewirr bei manchen Konzerten. „Modular“ heißt die großformatige Arbeit und auch weitere kleine Holzschnittarbeiten, die hier ausgestellt sind. ……

Doris Stevermüer